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COMISA. Die belastende Doppeldiagnose.

COMISA bezeichnet eine Kombination aus Ein- und Durchschlafstörung, die Insomnie, mit einer Schlafapnoe. Sowohl die nächtliche Ruhe als auch die Tagesaktivitäten werden so erheblich beeinträchtigt

Dr. Hans-Günter Weeß, Interdisziplinäres Schlafzentrum, Pfalzklinikum, Klingenmünster, beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Schlaf und mit Schlafstörungen.

Unter dem englischen Begriff „COMISA“ wird die Kombination einer Ein- und Durchschlafstörung (Insomnie) mit einer Schlafapnoe verstanden (Co-Morbid Insomnia and Sleep Apnea). Laut Studien leiden bis zu 40 Prozent der Patienten mit einer Insomnie auch an einer obstruktiven Schlafapnoe und bis zu 50 Prozent der Patienten mit einer obstruktiven Schlafapnoe an einer Insomnie.

Diese doppelte Krankheitsbelastung kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und das psychosoziale Leistungsvermögen der Betroffenen haben. Darüber hinaus können insbesondere die Symptome der Insomnie die Behandlung des komplexen Krankheitsbildes erschweren. Die Kombination der beiden Erkrankungen erfordert bei der Diagnosestellung interdisziplinäre Kenntnisse und bei der Therapie einen fächerübergreifenden und personalisierten Behandlungsansatz.

Insomnie und obstruktive Schlafapnoe können sich wechselseitig verstärken.

Der insomniebedingte Schlafmangel kann den Spannungszustand der oberen Atemwegsmuskulatur schwächen. Studien zeigen, dass insbesondere der Musculus genioglossus infolge Schlafmangels an Tonus verlieren kann, was in der Folge Obstruktionen der oberen Atemwege begünstigt. Anderseits können respiratorisch bedingte Weckreaktionen nächtliche Weckreaktionen und Wachphasen der Insomnie verstärken. Die Beschwerdelast bei gleichzeitigem Auftreten der beiden Erkrankungen kann also größer sein als die Beschwerdelast der einzelnen Erkrankungen für sich allein: Bei der COMISA treten oberflächliche Schlafstadien und nächtliche Wachphasen vermehrt auf und die Tiefschlafunterdrückung kann ausgeprägter sein.

Die Therapie der COMISA ist komplex.

Die Behandlung der COMISA bedarf eines interdisziplinären und auch eines personalisierten Ansatzes. Ein standardisiertes Vorgehen scheitert häufig an der Komplexität der Erkrankung. Im Vordergrund steht die individuelle Anpassung der Behandlungsstrategien an die jeweiligen Bedürfnisse des Patienten. Dabei ist es entscheidend, sowohl medizinische als auch psychologische Aspekte der Erkrankung zu berücksichtigen und die Therapie an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Wenn die Behandlung der einzelnen Krankheitsbilder der COMISA durch verschiedene Berufsgruppen erfolgt, bedarf es einer engen Verzahnung und Abstimmung der jeweiligen therapeutischen Maßnahmen.

Kombination evidenzbasierter Methoden. 

Evidenzbasierte therapeutische Optionen bei Schlafapnoe stellen die Gewichtsreduktion, die Lagepositionstherapie, Unterkiefer-vorverlagernde Schienen, PAP-Therapien und chirurgische Verfahren inklusive Hypoglossus-Stimulation dar. Zur Behandlung der Insomnie kommen medikamentöse Behandlungen und die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) zur Anwendung. Die KVT-I gilt als Firstline-Therapie in der Behandlung der Insomnie. Sie wird in unterschiedlichen Formen im Rahmen eines Stepped-Care-Ansatzes dargeboten. Da eine flächendeckende Versorgung mittels KVT-I in Gruppen oder Einzeltherapien nicht gegeben ist, kommen DiGAs (Digitale Gesundheits-Anwendungen) in der Behandlung von Insomnien eine zentrale Bedeutung bei leichten und mittelschweren Insomnien zu.

PAP-Therapie und KVT-I-etablierte Behandlungsansätze.

Ein etablierter Behandlungsansatz bei der COMISA ist die Kombination aus nächtlicher Überdrucktherapie (PAP-Therapie = Positive Airway Pressure) zur Behandlung der Schlafapnoe mit einer kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), welche in Gruppen oder Einzelbehandlung angeboten wird. Während die Behandlung der Schlafapnoe den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) senkt, die nächtliche Atmung stabilisiert und respiratorische Weckreaktionen vermindert, unterstützt die KVT-I Patienten dabei, schlaffördernde Haltungen und Verhaltensweisen zu entwickeln. Die KVT-I ermöglicht es COMISA-Patienten, nicht nur effektiv ihre Insomnie-Symptome zu lindern, sondern erleichtert auch die Akzeptanz der PAP-Therapie. Studien belegen, dass diese Kombination sowohl die Therapietreue der Überdruckbeatmung als auch die gesamte Schlafqualität signifikant verbessert.

Personalisierte und fächerübergreifende Behandlungsansätze. 

Da bei der COMISA individualisierte Behandlungsansätze dem komplexen Behandlungsbild besser gerecht werden, sind in den meisten Fällen Einzeltherapien zu favorisieren. Im Rahmen der Einzeltherapie können bei Maskenintoleranz weitere Verfahren der KVT, wie z. B. eine systematische Desensibilisierung, den Behandlungserfolg weiter unterstützen. Wenn diese Einzeltherapien von einem somnologisch geschulten Psychotherapeuten angeboten werden, kann dies ein weiterer Vorteil im Behandlungsprozess darstellen. Unter anderem aus diesem Grund hat die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) ein psychotherapeutisches Ausbildungsangebot für Ärzte und Psychotherapeuten („Zertifikat psychotherapeutische Schlafmedizin“) gestaltet.

Endlich wieder gut durchschlafen. Für viele Menschen „ein Traum“.